Abreise, Anreise und die ersten Tage

Waaaaaaas? Wie? Es ist schon Mittwoch? Ich werde nie fertig mit dem packen. Noch schnell in die Stadt hetzen um ein Paket an mich selbst zu schicken mit allem, was meinen Rucksack und mein Handgepäck zu schwer machen würde. Wie ich mittlerweile erfahren habe, leider an die falsche Adresse… Aber naja, mal schauen, vielleicht kommt es ja doch an.

Okay, fertig packen! 2 bis 3 Nervenzusammenbrüche später, weil gar nix passt und ich irgendwie zuviel da lassen muss, ist dann doch alles verpackt.

Der Abschied von meiner Mutter, meiner Nichte und meinem Neffen fällt schon ganz schön schwer aber aufgeregt bin ich trotzdem und freue mich auf das neue Abenteuer. Außerdem geht ein Jahr auch verflixt schnell vorbei!

Der Weg nach Frankfurt ist gespickt mit Staus, suizidgefährdeten Autofahrern und summenden weißen Streifen (meine Schwester weiß wovon ich spreche). Aber wir kommen wohlbehalten an, der Weg ist schließlich nicht so weit. Bis wir die richtige Abflughalle finden, ich einchecke und mir anhören darf, dass ich bessere Weiterreisedokumente brauche, ist es auch schon kurz vor boarding und der Abschied von meiner Schwester und ihrem Freund fällt ein bisschen knapp aus.

Flug, Umsteigen und 4-stündiger Aufenthalt im Transitbereich in San José (Costa Rica) gehen schnell vorbei. Nach einem halbstündigen Flug von San José nach Managua bin ich auch schon da: NICARAGUA! Okay, mein Gepäck ist alles angekommen. Und ich hab keine meiner 4 Taschen irgendwo stehen lassen und Bombenalarm ausgelöst. Bin schon ziemlich stolz auf mich. Draußen vor dem Eingang wartet das Shuttle nach Granada auf mich, dort sollte jetzt jemand stehen mit einem Schild mit meinem Namen drauf (sowas wollte ich schon immer mal haben!). Gut. Da steht noch keiner. Sind auch ein bisschen früh dran, der kommt schon noch.

… 20 Minuten und 34 abgewehrte Taxifahrer später. Hm. Noch kein Shuttle und vor allem kein verdammtes Schild mit meinem NAMEN drauf. Was mach ich jetzt? Die Taxifahrer ziehen immer engere Kreise um mich wie Haifische um eine verletzten Delphin. Help? Plötzlich kommt einer der Haifische auf mich zu, wagt einen Angriff und … erweist sich dann als wirklich netter Fahrer eines Shuttles (nicht meins, aber naja…), der auch nach Granada fährt und mich sogar für 10 Dollar weniger mitnimmt als das, was offensichtlich nicht kam.

So saß ich dann zufrieden mit mir und der Welt im Kleinbus, wir rasten mit gefühlten 150 Stundenkilometern durch den morgendlichen Verkehr Managuas, der Fahrer hupte wie ein Bekloppter und wir entgingen zahlreichen Fast-Unfällen. Als der freundliche Chauffeur dann plötzlich von der Haupt-Verkehrsstraße abbog in ein ziemlich versifft aussehendes Viertel, hab ich dann langsam und unauffällig meinen Pass und die Kreditkarten in meine Hosentaschen versteckt. Wie sich rausstellte, war das aber nur eine Abkürzung und in Null komma Nix waren wir auf dem Weg raus aus der Stadt Richtung Granada.

Sehr interessant waren auch die Gestalten, die am Straßenrand zu beobachten waren: Ein Cowboy auf einem Pferd mit einem Handy in der Hand. Das Pferd stand auf einer Verkehrsinsel und pinkelte fröhlich vor sich hin. Auf der anderen Straßenseite waren abwechselnd Gänse, Kühe und Pferde zu sehen, angebunden am Straßenrand. Friedlich grasend. Und das alles unter den Klängen aus dem Radio von Aerosmith „Janey’s got a gun“...

Der freundliche Onkel/ Shuttlefahrer rief dann auch auf mein Bitten bei meiner Gastfamilie an, um zu sagen, dass es ne Stunde später werden würde. Sabrina wartete schließlich auf mich dort.

Meine Gastfamilie sind Huascar und Carla, die Töchter Stefanie und Maria. Dann gibt es noch die Mutter Ernestina/ Doña Tina und den Bruder Huascars. Die betreiben einen Copyshop und denen gehören die 3 nebeneinander liegenenden Häuser. Alle sind sehr sehr nett und sprechen auch …schööööön…. laaaangsaaaaaam…. mit…. mir. Juheee!

Sabrina (meine neue Chefin) holte mich, nachdem ich mich etwas eingerichtet und frisch gemacht hatte, zum Essen bei sich zu Hause ab. Im Haus von Proyecto Mosaico wohnen noch 4 Freiwillige und Sabrinas kleine Familie (Sohn Mael – eineinhalb Jahre und Mann Carlos). Von mir „zuhause“ ist das Haus von Proyecto Mosaico nur 5 min entfernt. Es gab Reis und Bohnen (yay, das hatte ich echt vermisst!) und danach hab ich noch ein bisschen Zeit mit Sabrina und ihrer Familie verbracht und dann mein Zimmer weiter eingerichtet. Früh zu Bett, friedlich geschlafen … nur um nachts/ früh um 3 Uhr von meinem neuen besten Freund - einem Hahn geweckt zu werden! Das Vieh wohnt genau nebenan und findet es auch noch besonders lustig direkt über meinem Kopf auf das Blechdach zu hüpfen (Krallen auf Metall, kann sich das gerade jeder vorstellen???) und loszuplärren!

Ansonsten bin ich leider ohne Moskitonetz und Insektenschutzmittel eingeschlafen… Ergebnis sh. Foto.

Zwei, sagen wir mal, besondere Eigenschaften meiner Behausung:

• Mein Kühlschrank hat irgendwie nen Kurzschluss und somit ist Strom auf dem Rahmen. An jeder Stelle, an der der Lack ab ist, bekommt man nen Schlag wenn man dran kommt. Hab jetzt einfach mal alles mit Pflastern zugeklebt, nachdem ich vorhin dermaßen eine gewischt bekam, dass mein Arm immer noch summt.

• fließendes Wasser ist in meinem Wohnviertel leider nicht wirklich immer vorhanden. Aber so duscht/wäscht man eben, wenn es da ist, oder man hilft sich mit einem Eimer Wasser weiter.

Zu meinem großen Glück ist es für die jetzige Regenzeit ziemlich trocken. Am Freitag hat es ganz schön geschüttet aber das war‘s dann auch. Gut, kann sich noch ändern.

Freitag auf Arbeit haben wir dann erst einmal besprochen, was alles erledigt werden muss und was mein Aufgabengebiet umfasst. Zum Glück alles Sachen, die ich gerne mache *g*

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Kommentare: 2
  • #1

    Ewa (Freitag, 23 August 2013 10:38)

    Also ich hole dich auf jeden fall vom Flughafen ab. Und da hab ich so Namensschild in der Hand! ;)

  • #2

    verenagabel (Freitag, 23 August 2013 16:42)

    DAS WILL ICH SEHEN!!!